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2012-10-01

Staat fördert Wohnungsbau wieder stärker

     
Staat fördert Wohnungsbau wieder stärker?
31.10.2011 BUDAPEST (owr/gtai)--Ab Anfang des kommenden Jahres will die ungarische Regierung den Erwerb oder Bau einer Wohnung wieder durch Zinssubventionen fördern. Die Baubranche begrüsst die Massnahmen, erwartet davon aber noch keine wirklich spürbare Belebung dieser Bausparte. Sie wiesen aber in die richtige Richtung, heisst es. Jährlich sollen nur rund 4.000 Haushalte Anspruch auf diese Hilfen haben. Seit 2009 schrumpfen die Fertigstellungen im ungarischen Wohnungsbau Jahr für Jahr mit zweistelligen Raten, und auch in diesem Jahr sind die Genehmigungen kräftig zurückgefallen.

Ministerpräsident Viktor Orban will mit den Kredithilfen für den Erwerb und Bau von Wohnungen an die Erfolge eines in seiner ersten Regierungszeit aufgelegten Programms anknüpfen. Es hatte vor allem bessergestellte, kinderreiche Haushalte beim Wohnungserwerb sehr wirksam unterstützt. Der Abschaffung des Programms, die in die Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise fiel, folgte der beispiellose Einbruch im Wohnungsbau. Wurden in Ungarn in den Jahren 2004 und 2005 noch jeweils über 40.000 Wohnungen gebaut und 2008 noch rund 36.000, waren es 2010 nur noch 21.000. Die erste Hälfte des laufenden Jahres brachte bei den Genehmigungen dann noch einmal einen Einbruch um 36%. Die Regierung erwartet, dass 3.000 bis 5.000 Haushalte die Förderungen jährlich in Anspruch nehmen können. Insgesamt will sie dafür 5,2 Mrd HUF (etwa 17,45 Mio EUR) pro Jahr bereitstellen.

Vor der Krise hatten nicht zuletzt die sehr zinsgünstigen Devisenkredite den Wohnungsbau angekurbelt. Durch den Wertverlust des Forint konnten dann viele Haushalte die Tilgungen nicht mehr schultern. Auch die laufenden Schuldensanierungen kommen in erster Linie den finanziell bessergestellten Haushalten zugute, da praktisch nur sie in der Lage sind, die Möglichkeit der Umschuldung zu sehr günstigen Bedingungen in Anspruch zu nehmen. Die Maximalförderung bei den neuen Wohnungsbauhilfen von 2,5 Mio HUF ab dem 1. Januar des kommenden Jahres erhalten Familien ab vier Kindern für den Kauf einer Wohnung ab 110 qm. Voraussetzung ist zudem, dass ein Elternteil seit mindestens einem halben Jahr eine feste Stelle hat und dass es sich um den ersten Wohnungskauf handelt. Unterstützt wird - wie es heisst - auch der Kauf einer kleineren Wohnung, wenn für die grössere alte der Schuldendienst nicht mehr aufgebracht werden kann.

Zinshilfen gibt es sowohl für den Erwerb und Bau einer neuen Wohnung als auch für Erwerb und Modernisierung einer Altbauwohnung. Im letzteren Fall können die Zinssubventionen bis zu 50% des marktüblichen Zinssatzes betragen, für neue Objekte maximal 70%. Gefördert werden zudem keine neuen Objekte, die mehr als 30 Mio HUF oder Altbauten, die mehr als 15 Mio HUF kosten. Auch zu energetischem Bauen und Sanieren soll durch die Zinssubventionen angeregt werden. Verlangt werden dürfte, dass die erworbenen oder gebauten Objekte als Minimum die Effizienzkriterien der sogenannte B-Klasse gemäss Energiezertifikat erfüllen. Wie gross die latente Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten im Bereich energetischen Sanierens und Bauens von Wohngebäuden ist, lässt die grosse Resonanz nach den hierfür kürzlich ausgeschriebenen Fördermitteln erkennen. Die Beträge, die dafür bereitstehen, sind wegen der angespannten Haushaltslage allerdings noch niedrig.
Erika Anders-Clever (gtai) ?